„Die Hölle ist nicht Strafe genug für meine Fehler.“
(20. April, 2012)
Kapitel 1
„Es gibt viele Wege in
eine Traumwelt einzutauchen. Manche schließen ihre Augen und lassen
ihren Träumereien freien lauf. Andere brauchen nur ein wenig Musik
und einen Punkt, den sie anvisieren können.
Und dann...gibt es noch die unfreiwilligen Wege. Der Tod, Koma oder aber Dunkelheit, die dich in diese Welt entführt. Mein Weg war ein Unfreiwilliger. Nur dank diesem Weg atme ich noch. Solange ich atme, lebt er noch. Sonst hätte ich keinen Grund mehr dazu.“
Kaito las sich diesen Zettel stolze drei mal durch und trotzdem begriff er den Sinn und Zweck nicht wirklich. Er hatte diesen zufällig auf dem Boden ihres alten Hauses gefunden. Das Zimmer an sich sah grausig aus. Blutverschmierte Wände, zerstörte Möbel und ein leiser Hilferuf geschrieben mit den roten Tränen einer verlorenen Seele. Was hier passiert war, wusste Kaito nicht. Allerdings war es schon ziemlich auffällig, dass einer der Gegenstände vollkommen unberührt schien. Es war ein großes Gemälde. Zu sehen war ein braunhaariges Mädchen, mit dunkelgrünen Augen. Sie stand vor einer Villa und lächelte auf eine besonders glückliche Art und Weise. Stellte das Bild etwa >sie< da? Seine Neugierde war kaum zu zügeln, doch als er auf das Gemälde zuging, beanspruchte etwas anderes sein Interesse. Fast wäre er drauf getreten.. Ein Teil eines Bildes lag einfach da, wie auf dem dreckigsten Silbertablett (aller Zeiten) serviert. Er war sich nicht ganz sicher, ob er sehen wollte was darauf abgebildet war. Wenn es nur ein Teil war, musste es schließlich jemand zerrissen haben und dies dann aus gutem Grund. Trotzdem, nach einer Weile gab er sich seiner Neugierde geschlagen und hob das Bild auf. Es war im ersten Moment nicht gerade etwas spannendes. Eigentlich war da nur er abgebildet. Als er allerdings genauer hinsah, kam ihm das Bild doch wirklich verdammt bekannt vor und noch dazu meinte er an dem Punkt, wo gerissen wurde, einen Ellbogen zu erkennen. Auf dem kleinen Tisch neben dem Bett fand er dann schnell auch die anderen zwei Teile. Als er sie wieder einigermaßen richtig zusammengeflickt hatte, erkannte er das Bild auch wieder richtig. Darauf abgebildet waren sie, sein bester Freund und er selbst. Alle drei wurden auseinander gerissen. Ein leichtes Schmunzeln konnte sich Kaito da nicht verkneifen. Es war wirklich eine verdammte Ironie. „Wie im echten Leben..“, murmelte er leise vor sich hin und schüttelte den Kopf. Wer dabei wirklich das Monster war, vermochte er da noch nicht zu erkennen. „Harmonia.. o-oder..?“, flüsterte er leise und nahm das Stück, auf dem die Brünette zu erkennen war. Mittellanges Haar und einen undefinierbaren Ausdruck in den grünen Augen. „Was heißt hier oder?!“, fluchte er über sich selbst und legte das Bildstück wieder auf den kleinen Tisch. Was machte er sich denn da auch jetzt noch solche Gedanken drum? Die Geschichte war eh gegessen, sie war nicht mehr da. Dem Blut nach zu Urteilen, hatte sie irgendetwas wohl nicht Lebend überstanden. Trotzdem.. er bekam diese Worte nicht aus seinem Kopf. Die Dinge die sie sagte, bevor sie verschwand.. ihr Blick. Er versuchte es weitestgehend zu ignorieren und widmete sich dann auch endlich mal ganz und gar dem Gemälde. Es hatte eine merkwürdige Ausstrahlung, obwohl es doch so einfach und schön schien. Irgendwas stimmte nicht daran. Wollte Kaito wirklich heraus finden, was daran nicht stimmte? Auch hier zögerte er sichtlich, bis er dann letztlich zu dem Gemälde trat und vorsichtig eine Hand neben dem abgebildeten Mädchen niederließ. „Ich wollte dich schützen.. aber meine Angst war zu groß. Stattdessen habe ich dir geschadet. Wenn ich das wieder gutmachen könnte, würde ich es tun. Ich wollte nie, dass meine Naivität auch zu deinem Fluch wird.“, wiederholte er. Spätestens jetzt konnte er sich nicht mehr gegen diese Erinnerung wehren. „Du hast mich nie verletzt, habe ich das etwa behauptet? Ich meine stehts gesagt zu haben, dass 'es' mich verletzt. Was es ist? Das wäre zu kompliziert, um es dir zu erklären.“, sprach er und wurde dabei immer leiser. „Die Hölle ist nicht Strafe genug für meine Fehler..“ waren die letzten hörbaren Worte, ehe er nur noch stumm seine Lippen bewegte und damit unaussprechliche Worte formte. Nicht weil die Worte zu schwer waren, sondern weil sie Dinge aussprachen, die ihn verwirrten. Nach einer Weile stoppte er dann endgültig und lehnte den Kopf leicht an das Gemälde an. Sie hatte sich noch nie verständlich ausgedrückt, schlicht weil sie es nicht ausstehen konnte Schwäche zu zeigen. Soweit konnte er sie einschätzen.. dann war Schluss. Der Rest an ihr war einfach viel zu verwirrend, als das man es verstehen konnte. Die Frage, was wohl passiert war, plagte ihn von Moment zu Moment immer mehr. An dem Tag, an dem sie ihre letzten Wort aussprach, kam es zu vielen finalen Begegnungen. Freunde von ihm, aber auch Freunde von ihr verschwanden ebenfalls. Allerdings hinterließen sie weniger Spuren als Harmonia, weswegen er wenigstens bei diesen noch die Hoffnung hegte, dass sie lebten. Er schloss für einige Momente seine Augen und meinte dabei ein leises kichern vernehmen zu können. Dieser Ort bekam ihm nicht, er bekam schon Halluzinationen.. oder? Als er die Augen langsam wieder öffnete, hatte sich das Motiv des Gemäldes verändert. Diesmal war zu erkennen, dass es Harmonia darstellte. Nur die roten Augen sorgten für eine leichte Verwirrung. Sie saß auf einer Art Thron, allerdings nicht freiwillig. Stattdessen war sie mit Ketten daran angebunden. Das ganze wurde Kaito eindeutig zu unheimlich. Als er sich allerdings gerade vom Gemälde wegbewegen wollte, kam eine Hand aus dem Gemälde und packte ihn. Das mit dem weglaufen hatte sich dann wohl fürs erste erledigt. Es hinderte Kaito nicht daran, sich mit vollster Kraft gegen den Griff zu wehren. „Jetzt stell dich nicht so an, du Bimbo!“, ertönte eine Stimme. Eine ihm sehr bekannt vorkommende Stimme. Das ganze wurde nicht unbedingt angenehmer. Eine zweite Hand preschte aus dem Gemälde hervor und griff ebenfalls nach ihm. Die Verwirrung wurde zur Panik. Was sollte er jetzt tun? Zu allem Überfluss fingen die Hände auch noch an ihn immer dichter an das Gemälde heran zu ziehen. Gerade als er erwartete, mit vollster Wucht gegen die Wand gezogen zu werden, passierte etwas verwunderliches. Das Gemälde fing an zu leuchten, während die Hände ihn in das Gemälde hineinzogen..
Als die Hände ihr Ziel erreicht hatten, ließen sie los und er fiel zu Boden. Allerdings nicht auf den Boden des Zimmers, sondern auf den Boden eines Waldes? „W-Was-?!“, stieß er aus. Woher sollte er wissen, was das zu bedeuten hatte? Wo zum Teufel war er überhaupt? Vorsichtig stand er auf und sah sich noch einmal genauer um. Der Himmel wahr Blutrot, der Mond schwarz und der Wald an sich hatte auch eher eine dunkle Ausstrahlung. Träumte er gerade? Das musste ein Traum sein! Ein Himmel war nicht so rot! „Willkommen in ihrem Gefängnis..“, sprach die selbe Stimme aus, die vor seiner 'entführung' ertönte. Erst als Kaito sich zum dritten mal umsah, sah er auch von wem diese Worte kamen. Er erblickte den Übeltäter auf einem Baum. Sie strich sich mit den Händen leicht durch das rote Haar und sah ihn mit ihren grünen Augen an, als würde sie ihn umbringen wollen. Diesen Blick erkannte er unter tausenden. „A-Anna?“, stammelte er verwundert aus. Sie war einer von den Menschen, die mit Harmonia verschwunden waren und noch dazu war sie die beste Freundin Harmonias. Man konnte sagen Anna hegte puren Hass gegen Kaito. Das lag schlicht daran, dass sie der festen Überzeugung war, er würde Harmonia nur schaden. „So heiße ich, nach wie vor..“, sprach sie grinsend aus, wobei man selbst dort ihren Hass aus den Augen lesen konnte. „Ich heiße dich Herzlich Willkommen in ihrer Hölle. In ihrem Albtraum.. für das hier, bist du verantwortlich!“, fügte sie dann noch hinzu und sprang von dem Baum. Kaito verstand nicht ganz, worauf die Rothaarige hinaus wollte. Das lag schlicht daran, dass er auch noch nicht ganz begriff, wo er überhaupt gelandet war. Wieso nannte Anna dies 'ihre' Hölle? Meinte sie mit 'ihrer' Hölle Harmonias? „Ich verstehe nicht ganz-“, brachte Kaito raus, ehe er von Anna unterbrochen wurde. „Für dich gibt es auch nichts zu verstehen! Du kommst mit und dann erklärt dir ein anderer Depp die Fragen! Ich bin schließlich nicht deine Mutter.“ Der aggressive Unterton machte ihrem Hass ihm gegenüber alle Ehre. „Keine Widerrede, kapiert?“, war dann auch das letzte was sie aussprach. Danach griff sie nach seinem Arm. Dabei packte sie so fest zu wie zuvor. Sie zögerte einen Augenblick, als würde sie über etwas nachdenken, dann zerrte sie ihn allerdings einfach mit...

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